Peripherie als schwarzes Loch. NoBorder-Camp lässt Osteuropa links liegen

ak – zeitung für linke debatte und praxis / Nr. 524 / 18.1.2008

Die Unterschiede hätten kaum größer sein können: Während in Rostock und Heiligendamm Duschcontainer, Internetzelte oder multiflexible Volksküchen zum Campstandard gehörten, ging es beim NoBorder-Camp in der Ukraine vergangenen August ungleich bescheidener zu. Die rund 350 TeilnehmerInnen aus über 15 Ländern verpassten allerdings, den gesellschaftlichen Ursachen dieses Gefälles auf den Grund zu gehen. Konkreter: Die imperiale Degradierung Mittelosteuropas zur kapitalistischen Peripherie blieb einmal mehr unbesprochen. Im Mittelpunkt standen stattdessen die Situation von TransitmigrantInnen vor den Toren der EU sowie Fragen anarchistischer bzw. (sub-)kultureller Selbstorganisierung.

Initiiert bzw. getragen wurde das NoBorder-Camp im wesentlichen von antirassistischen Gruppen aus Kiew und Moskau. Insofern waren weder der politische Fokus auf Transitmigration noch die geographische Wahl des Ortes zufällig: Uzhgorod, die Hauptstadt Transkarpatiens, dort, wo die Ukraine an Ungarn und die Slowakei grenzt. Hintergrund ist, dass sich der westliche Teil der Ukraine bereits seit Jahren zu einer Art Brennpunkt im internationalen Migrationsgeschehen entwickelt hat.

Weiterlesen