07.12.2017 |Koloniales Erbe. Zur politischen Marginalisierung Afrikas

Beilage von Afrique-Europe-Interact in der bundesweiten Ausgabe der tageszeitung taz (7. Dezember 2017)

Afrique-Europe-Interact kann sich über mangelnden Zuspruch seitens der kritischen Öffentlichkeit nicht beklagen. Gleichwohl ist in der alltäglichen Arbeit so etwas wie eine gläserne Decke deutlich spürbar: Die von unserem Netzwerk aufgebaute Kooperation zwischen afrikanischen und europäischen Basisinitiativen wird zwar gutgeheißen – insbesondere der Versuch, südliche Perspektiven bzw. Positionen in Europa stärker zur Geltung zu bringen. Doch praktisch sich einbringen wollen nur den wenigsten, vor allem wenn es darum geht, zusammen mit Organisationen aus afrikanischen Ländern politischen Druck aufzubauen – ob hierzulande oder in Afrika.

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07.12.2017 |Krankheit als Fluchtursache. Wie Großinvestitionen Entwicklung von unten verhindern

Beilage von Afrique-Europe-Interact in der bundesweiten Ausgabe der tageszeitung taz (7. Dezember 2017)

In der Region Kita im Westen Malis ist Migration bereits seit Jahrzehnten tief im kulturellen und sozialen Gefüge verankert. Meist sind es die älteren Söhne der Familien, die während der 8-monatigen Trockenzeit Arbeit in anderen Landesteilen oder im benachbarten Ausland suchen, vorzugsweise auf Plantagen oder im Bergbausektor. Aber auch Europa spielt – ebenfalls schon lange – eine nicht zu unterschätzende Rolle.

So hat Frankreich im Zweiten Weltkrieg allein in seinen afrikanischen Kolonien rund 1 Millionen Soldaten für die Schlachtfelder Europas zwangsrekrutiert, unter anderem in der Region Kita. In den 1950er und 1960er Jahren folgten Anwerbeprogramme für die französische Automobilindustrie, wobei viele der Arbeitskräfte mit Passagierschiffen von der senegalesischen Hauptstadt Dakar nach Marseille gelangten. Heute hingegen bleibt westafrikanischen Migrant_innen mit dem Reiseziel Europa einzig die lange und gefährliche Passage durch die Wüste und über das Meer. Und das mit der Konsequenz, dass mittlerweile zahlreiche Familien in der Region Kita den Tod von Familienmitgliedern zu beklagen haben.

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EU verlagert Grenze in die Wüste Wie das „Alarmphone Sahara“ Migrant_innen praktisch unterstützen möchte

Beilage von Afrique-Europe-Interact in der bundesweiten Ausgabe der tageszeitung taz (7. Dezember 2017)

8. Februar 2017, Busbahnhof in Ouagadougou, Hauptstadt von Burkina Faso: Nichts geht mehr, der gesamte Fernverkehr in dem westafrikanischen Land ist zum Erliegen gekommen, niemand kann der 11-köpfigen Recherchegruppe von Afrique-Europe-Interact sagen, wann die Busse wieder fahren. Was wie ein ganz gewöhnlicher Arbeitskampf aussieht, hat freilich eine globale Dimension: Nicht die Busfahrer streiken, sondern die Unternehmen. Ihre Aktion richtet sich gegen die zahlreichen Kontrollposten, die die Regierung auf Betreiben der EU entlang der wichtigsten Nationalstraßen neu eingerichtet hat.

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