Die Klimakatastrophe ist längst da. Brennpunkt Sahel – oder wie Europa seine Wohlstandsinteressen verteidigt

Beilage von Afrique-Europe-Interact in der bundesweiten Ausgabe der tageszeitung taz (06. Dezember 2019)

Anfang der 1970er Jahre erlebten die Länder des Sahel die schlimmste Dürre im 20. Jahrhundert, 1984 und 1985 spitzte sich die Lage erneut zu. Allein während der ersten Trockenphase erhielten eine Million Menschen Nahrungsmittel aus dem Ausland, Hunderttausende starben, Zehntausende wurden zu Geflüchteten. Zudem fielen rund Zweidrittel der 64 Millionen Nutztiere der Hitze und dem Wassermangel zum Opfer, und das in einer Region, in der bis heute größere Teile der Bevölkerung von der Viehwirtschaft leben. Lange galten Überweidung und übermäßiger Holzeinschlag als Auslöser der Krise: Durch den geringeren Baum- und Buschbestand sei weniger Wasser verdunstet, was nicht zuletzt die Regenmenge reduziert habe. Heute hingegen spricht aus Sicht der Klimaforschung vieles dafür, dass die beiden Jahrhundertdürren die ersten Effekte des menschengemachten Klimawandels waren.

Weiterlesen

Diskrete Nähe. Kamerun: Nachsicht für Langzeitautokrat

Beilage von Afrique-Europe-Interact in der bundesweiten Ausgabe der tageszeitung taz (06. Dezember 2019)

In Europa gehört es zum guten Ton, Korruption, Vetternwirtschaft und Missmanagement in afrikanischen Ländern anzuprangern. Prinzipiell ist das gerechtfertigt, denn niemand bestreitet, dass schlechte Regierungsführung eines der Kernprobleme in vielen Teilen Afrikas darstellt. Problematisch ist jedoch, dass diese Kritik europäische Regierungen nicht davon abhält, mit autoritären oder diktatorischen Regimen eng zusammenzuarbeiten. Hintergrund sind meist wirtschaftliche, migrationspolitische oder geostrategische Interessen. Zu den bekanntesten Beispielen zählt Kamerun, weshalb Afrique-Europe-Interact bereits seit mehreren Jahren die Arbeit der kamerunischen Exilopposition in Europa unterstützt.

Am 11. Oktober 2018 hat der Deutsche Bundestag über Kamerun debattiert. Aufhänger war die Eskalation des Konflikts zwischen englischsprachiger Minderheit im Westen des Landes und der französischsprachigen Zentralregierung. Dabei überraschte die vergleichsweise große Einigkeit, was den grundlegenden Charakter des Regimes betrifft. Der grüne Abgeordnete Uwe Kekeritz sprach sogar von „Staatsterrorismus“. Mit ähnlichem Tenor wurde die Lage in Kamerun am 18. April 2019 im europäischen Parlament thematisiert. In einer ungewöhnlich harschen Erklärung verurteilte das Parlament nicht nur die „Gewalttaten“ staatlicher Sicherheitskräfte. Es forderte die kamerunische Regierung auch auf, „eine echte, repräsentative und lebendige Demokratie aufzubauen“.

Weiterlesen

„Wie ein menschlicher Gott“. Richard Fouofié Djimeli über die Diktatur von Paul Biya in Kamerun

Beilage von Afrique-Europe-Interact in der bundesweiten Ausgabe der tageszeitung taz (06. Dezember 2019)

Du hast zusammen mit anderen Exil-Oppositionellen in der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 2019 die kamerunische Botschaft in Berlin besetzt. Was war der Anlass?

In Kamerun hat es am gleichen Tag eine friedliche Demonstration der Opposition gegeben – unter anderem gegen die Wahlfälschung bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Oktober 2018. Aber die Sicherheitskräfte haben gezielt geschossen, auch auf eine bekannte Anwältin. Einem Mann wurde in die Beine geschossen, trotzdem hat die Polizei ihn gezwungen weiterzulaufen. Das war wie ein offener Krieg in Douala, der zweitgrößten Stadt in Kamerun. Deshalb wollten wir ein starkes Zeichen setzen, auch um deutlich zu machen, dass es in Kamerun eine Diktatur gibt.

In Paris wurde die kamerunische Botschaft ebenfalls besetzt – war das koordiniert?

Nein. Wir hatten am Nachmittag eine Demonstration vor der Schweizer Botschaft organisiert. Und erst dort haben wir über WhatsApp die Bilder aus Kamerun erhalten. Es war eine spontane Entscheidung, die Botschaft zu besetzen.

Weiterlesen