Vom Ausverkauf sozialer Rechte. Supermarktketten weiterhin auf Expansionskurs

ak – zeitung für linke debatte und praxis / Nr. 529 / 20.6.2008

Geht es um Konsum, Supermärkte und globale Lebensmittelproduktion, sehen immer noch beträchtliche Teile der Linken rot: Während die einen kleinkarierte Fair-Trade-Huberei oder gar Tugendterror wittern, mutieren andere – im Namen des Prekariats – zu AdvokatInnen von Dauertiefstpreisen durch Wal Mart, Lidl & Co. Bei allem Geknatter, viele der aufgeworfenen Fragen sind legitim, ja zwingend. Und doch: Ausgangspunkt der Debatte sollte die Tatsache sein, dass Supermärkte zu jenen Akteuren des globalisierten Kapitalismus zählen, die soziale Rechte und ökologische Ressourcen in geradezu exemplarischer Manier untergraben.

Der erste Supermarkt überhaupt wurde 1930 unter dem wegweisenden Motto „Preis-Abwracker“ in den USA eröffnet. Hierzulande waren es nicht zuletzt die Aldi-Brüder, die Mitte der 1950er Jahre Supermärkte salonfähig gemacht haben – bereits damals im Discounterformat. Aus Sicht der kleinen Einzelhändler ist jener Prozess der schrittweisen Herausbildung immer größerer Supermarktketten eine durchaus schmerzhafte Erfahrung von Marginalisierung und Verdrängung gewesen. Dies in Erinnerung zu rufen, hat keineswegs mit rückwärtsgewandter Nostalgie zu tun. Denn viele der damaligen Entwicklungen wiederholen sich heute im Süden des Globus, allerdings – wie noch zu zeigen sein wird – ungleich rasanter und mit brutaleren Konsequenzen.

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