01.09.2026 | Was die Bandungkonferenz 1955 und die 1961 gegründete Bewegung der Blockfreien Staaten mit dem heutigen Sahel zu tun haben
Die aktuellen Geschehnisse im Sahel – so auch der jüngste Putschversuch in Niger am 29./30.08.2026 – werden seitens der westlichen Öffentlichkeit fast ausschließlich durch das geopolitische Brennglas betrachtet – nicht zuletzt die Rolle Russlands. Doch so berechtigt es ist, das russische Agieren unter Putin zu kritisieren, es sollte nicht unterschätzt werden, inwiefern der Bruch der AES-Länder mit Frankreich und die Suche nach neuen (flexiblen) Bündniskonstellationen weniger mit einer autokratischen Achse zu tun hat (wie sie in westlichen Hauptstädten immer wieder beschworen wird), sondern vielmehr mit der Geschichte der Blockfreien Staaten, die sich 1961 in Belgrad gegründet haben (der damaligen Hauptstadt Jugoslawiens) – in Fortsetzung der berühmten Konferenz von Bandung (Indonesien), wo sich 1955 Staats- und Regierungschefs aus 29 afrikanischen und asiatischen Ländern zusammen mit etlichen Vertreter:innen antikolonialer Befreiungsbewegungen getroffen und sich über die Zukunft einer nicht von den (damaligen) westlichen Kolonialmächten dominierte Welt ausgetauscht haben.
Entsprechend passte es, dass heute der malische Außenminister in den sozialen Medien unten stehendes und hier per KI übersetztes Posting geteilt hat, in dem er über seinen Besuch in Belgrad anlässlich des 65. Gründungstags der Bewegung der Blockfreien Staaten berichtet (https://de.wikipedia.org/wiki/Bewegung_der_Blockfreien_Staaten).
In der westlichen Öffentlichkeit spielen nicht nur die Blockfreien Staaten kaum eine Rolle, auch die Konferenz von Bandung (ohne die die Geschichte des 20. Jahrhunderts anders verlaufen wäre), scheint weitgehend vergessen. Wer mehr über die Prozesse im damals sich neu formierenden Süden wissen möchte, kann in einem Dossier „Aus Politik und Zeitgeschichte“ [Bandungkonferenz. 75 (2025) 12. Online: https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2025-12_online_Bandung-Konferenz.pdf] viel lernen, oder noch ausführlicher in dem 2023 erschienenen Bestseller „Revolusi: Indonesien und die Entstehung der modernen Welt“ von David Van Reybrouck.
Ich selbst versuche ebenfalls, die Geschichte der Umbrüche im Sahel mehr und mehr aus diesem Blickwinkel zu betrachten, erste diesbezügliche Schritte mache ich in meinem im Januar 2027 bei C.H. Beck erscheinenden Buch „Der Sahel. Vom Kolonialismus zur postwestlichen Weltordnung“.
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Anbei das Statement des malischen Außenministers: https://www.facebook.com/share/p/1NFRukDUaP/
Seine Exzellenz Herr Abdoulaye DIOP, Minister für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit, der den Übergangspräsidenten und Staatschef vertritt, weilt derzeit in Belgrad, Serbien, anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag der ersten Konferenz der blockfreien Staaten. Die Bewegung der blockfreien Staaten, die aus der Belgrader Konferenz von 1961 hervorging und in direkter Kontinuität zur Konferenz von Bandung im Jahr 1955 steht, vereinte Nationen, die sich von der bipolaren Logik des Kalten Krieges zwischen Ost und West befreien wollten, um die konkrete Souveränität der Länder des Südens in den Vordergrund zu stellen. Die Teilnahme Malis, eines Gründungsmitglieds der Bewegung der blockfreien Staaten, an diesem Gedenktreffen ist Ausdruck der Anerkennung der historischen Rolle von Präsident Modibo KEITA beim Aufbau dieser transregionalen Organisation. Am Rande dieses Treffens führte Minister DIOP am Montag, dem 31. August 2026, nacheinander Gespräche mit Seiner Exzellenz Herrn Marko DURIC, dem serbischen Außenminister, sowie mit Herrn Ivica DACIC, dem serbischen Innenminister. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Stärkung der Beziehungen zwischen Mali und Serbien. Seine Exzellenz Herr Abdoulaye DIOP wird am Dienstag, dem 1. September 2026, bei der Generaldebatte der Gedenkveranstaltung die Stimme Malis vertreten.
Zudem seine kurze Ansprache in Belgrad – ebenfalls auf Facebook: https://www.facebook.com/reel/1383181130000677