29.05.2026 | Hoffnung im Schatten des Terrors. Der verkannte Umbruch im Sahel (Blätter für deutsche und internationale Politik)
Veröffentlicht in Blätter für deutsche und internationale Politik (Juni 2026)
Vorbemerkung für diese Webseite: Folgt man der allgemeinen Sahel-Berichterstattung in westlichen Medien, drängt sich der Eindruck eines allgemeinen Niedergangs in Burkina Faso, Mali und Niger förmlich auf. Gleichzeitig sticht ins Auge, wie sehr externe und interne Analysen der Entwicklungen auseinanderfallen. Auch wenn viele Menschen im Sahel durch die zunehmend landesweit stattfindenden Anschläge verunsichert sind, betonen sie dennoch das Moment der Selbstbehauptung – trotz der dramatischen sozialen Lage. Und genau diese schon seit Jahren anhaltende Kluft zwischen interner und externer Wahrnehmung ist auch der Ausgangspunkt eines Artikels, den ich in der Juni-Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik unter dem Titel “Hoffnung im Schatten des Terrors. Der verkannte Umbruch im Sahel” veröffentlicht habe:
https://www.blaetter.de/…/hoffnung-im-schatten-des-terrors
Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass niemand seriöserweise voraussagen kann, wo die aktuellen Entwicklungen in Mali, Burkina Faso und Niger enden werden. Meines Erachtens sind nahezu alle Szenarien möglich – außer einer Rückkehr der alten politischen (überwiegend prowestlich ausgerichteten) Klasse, die in jedweder Hinsicht als diskreditiert gilt, und das umso mehr, als kaum jemand aus dieser Klasse bis heute eine ernsthafte und vor allem selbstkritische Analyse vorgelegt hat, wie es zur derzeitigen Vielfachkrise hat kommen können. Und klar scheint mir auch, dass es nicht zielführend ist, die Entwicklungen im Sahel primär durch eine überwiegend dystopische Brille zu betrachten (zum Teil mit kaum verhohlener Hoffnung, dass die Militärs endlich ihre “Quittung” bekommen mögen – so wie es auch jüngst der französische Präsident Emmanuel Macron in mehreren TV-Interviews bei einem französisch-afrikanischen Regierungsgipfel in Nairobi zum Ausdruck gebracht hat: https://www.france24.com/…/20260512-watch-macron-speaks…). Denn wer das tut, wird das durchaus bemerkenswerte Phänomen nicht verstehen können, dass die Militärs trotz einer extrem schwierigen Sicherheitslage noch immer fest im Sattel sitzen.
Oder plastischer formuliert: Am 26.04.2026 und am 04.07.2026 haben in Mali mehrere tausend bewaffnete Aufständische im gesamten Land angegriffen. Und obwohl Mali gerade mal über 25.000 bis 30.000 Sicherheitskräfte verfügt (inklusive Gendarmerie), ist es nicht kollabiert. Wer diese Festigkeit verstehen möchte (ob in Mali oder den anderen Sahelländern), darf sich nicht auf bloße tagesaktuelle Sicherheitsanalysen verlassen, sondern muss verstehend nachvollziehen, wie und weshalb viele Menschen die Entwicklungen bis heute deuten. Wer kein Abo für die Blätter für deutsche und internationale Politik hat, möge den Text für 3 Euro kaufen oder mir eine private Nachricht schicken – ich schicke dann ein PDF zu.