31.05.2026 | Warum es falsch ist, von einer Mässigung des dschihadistischen Terrornetzwerks JNIM zu sprechen
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Immer mehr (westliche) Beobachter:innen verweisen auf die Notwendigkeit, in Mali, Burkina Faso und Niger mit dem vermeintlich unaufhaltsam expandierenden dschihadistischen Terrornetzwerk JNIM in Verhandlungen zu treten. Grundsätzlich ist das natürlich nicht falsch, aber die These, dass die zu al-Qaida gehörige JNIM einen Mäßigungsprozess durchlaufen habe, wie derzeit allerorten zu hören ist (etwa von Ulf Lessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung: https://www.dw.com/fr/mali-cinq-ans-apres-le-putsch-dassimi-goita/a-77268042 oder von Wassim Nasr: https://ctc.westpoint.edu/developments-in-the-sahel-an-interview-with-wassim-nasr-journalist-france24-senior-research-fellow-soufan-center/), ist allenfalls zutreffend, wenn man die JNIM mit der in der gleichen Region ebenfalls operierenden Terrorgruppe des Islamischen Staats (ISSP) vergleicht. Ansonsten zeigen auch jüngere Berichte, dass die JNIM überhaupt nicht daran denkt, ihre brutalen Methoden zurückzufahren, der laut der Rechercheplattform ACLED zwischen 2017 und 2025 39.850 Menschen zum Opfer gefallen sind (und hier sind die Opfer noch nicht einmal eingerechnet, den die Gründungsgruppen der JNIM zwischen 2012 und 2017 unter anderem Namen zu verantworten haben).
Konkret hat die International Crisis Group in einem im Februar 2026 erschienen Report minutiös rekonstruiert, inwiefern die JNIM Gewalt strategisch überall dort anwendet, wo sie lokale Gemeinschaften endgültig unter Kontrolle bringen möchte (https://www.crisisgroup.org/rpt/africa/sahel-west-africa/321-le-jnim-et-le-dilemme-de-lexpansion-au-dela-du-sahel). Just in diesem Sinne hat das Medienportal Afrique XXI erst jüngst einen Text veröffentlicht, in dem die katastrophalen Konsequenzen der zum Teil monate- oder jahrelangen Dorfbelagerungen dokumentiert werden, mittels derer die JNIM den Widerstand jener Dörfer brechen möchte, die sich weigern, sogenannte Friedensverträge bzw. Pakte mit der JNIM abzuschließen (https://afriquexxi.info/Au-Mali-survivre-aux-blocus-du-Jnim-entre-famine-peur-et-negociation). Der Text basiert auf der im Januar 2026 erschienenen Studie „Vivre sous blocus : cas des zones sous influence du JNIM au Mali.“ (Working paper SIPRI/REcAP: https://www.sipri.org/sites/default/files/WORKING%20PAPER%20N%C2%B05%20-%20FR%20%28WEB%29.pdf – da die Studie und der französische Text bei Afrique XXI frei im Netz zugänglich sind, dürften KI-Übersetzungen auf deutsch leicht anzufertigen sein).
Angesichts des brutalen Vorgehens der JNIM (auch in Form ihrer nahezu täglichen Angriffe auf Tanklaster, Busse und andere zivile Versorgungsinfrastruktur in Mali) ist die allgemeine Bereitschaft zu Verhandlungen gerade sehr niedrig – vor allem in Mali. Gleichzeitig dürfte mittelfristig kein Weg an Gesprächen vorbeiführen – vorausgesetzt, die JNIM ist prinzipiell bereit, ihren gewaltsamen Kampf einzustellen. Das betont auch die malische Regierung immer wieder neu, auch wenn das seit April gemeinsam agierende Bündnis zwischen Tuareg-Separatisten der FLA und der JNIM den Druck einmal mehr erhöht hat (wie die Sicherheitslage prinzipiell einzuschätzen ist, habe ich versucht, in einem Text zusammenzufassen, der in der aktuellen Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik unter dem Titel „Hoffnung im Schatten des Terrors“ erschienen ist: https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni/hoffnung-im-schatten-des-terrors).