06.05.2026 | Der Westen sollte endlich aufhören, Mali als Schachbrett zu betrachten – egal, was Russland tut.

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Gerade wenn es um den Sahel geht, wird deutlich, dass westliche Beobachter:innen buchstäblich im diskursiven Schützengraben liegen – so auch die Tagesschau gestern in ihrem Beitrag zu Mali. Bereits im Intro heißt es, dass die Militärs mit Russland kooperieren würden, um die eigene Macht abzusichern. Nun gibt es bestimmt viele Gründe, Russland zu kritisieren, aber Russland spielt in Mali keine hervorgehobene Rolle. Das Land ist zwar mit der Türkei und China größter Waffenlieferant, damit sich die Armee gegen dschihadistische (und separatistische) Gruppen wehren kann, die seit Anfang der 2000er Jahre – und eigentlich schon seit den 1980er Jahren – unter prowestlich ausgerichteten Regierungen entstanden sind.

Ansonsten ist Russland mit 2000 Soldaten in Mali vertreten – während bis 2023 Frankreich mit 5.000 Soldaten und die UN-Friedensmission MINUSMA mit 15.000 Soldaten vor Ort waren – ohne den Aufstieg des Dschihadismus stoppen zu können. Dies zeigt: Mali braucht zwar Unterstützung, aber in erster Linie verteidigt sich das Land selbst – und die Militärs wiederum genießen bis heute breite Unterstützung in der Bevölkerung, wie unter anderem die jährlich durchgeführte Umfrage Mali-Mètre der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt: https://www.fes.de/referat-afrika/mali-metre-2025. Entsprechend absurd sind auch die Ausführungen von Ulf Leassing von der Konrad-Adenauer-Stiftung: Er wird in dem Beitrag mit den Worten zitiert, dass Russland in Mali eine Niederlage erlitten hätte (so wie es viele internationale Kommentator:innen tun). Demgegenüber ist festzuhalten, dass die Eroberung von Kidal von einer von Dschiadisten dominierten (FLA-JNIM-)Koalition in erster Linie eine Niederlage für die Menschen in Mali ist, nicht für Russland. Denn die Beinfreiheit für bewaffnete Gruppen im Norden unterstützt vor allem die Angriffe im Rest des Landes. Hinzu kommt, dass die sog. Tuareg-Separatisten keine Mehrheit genießen, auch nicht im Norden, wo sie maximal 30% der Bevölkerung stellen – wie auch das Mali-Mètre von 2025 zeigt: Selbst in den nördlichen Regionen spricht sich bei vielen Fragen eine Mehrheit der Menschen zugunsten der Einheit des Landes aus. Kurzum: Der Westen sollte endlich aufhören, Mali als Schachbrett zu betrachten – egal, was Russland tut.